In Gedenken an die in Hanau ermordeten
Wir gedenken dem rassistischen Anschlag von Hanau. Vor 6 Jahren, am 19. Februar 2020 wurden 9 Menschen mit Migrationsgeschichte von einem Faschisten erschossen und sechs weitere schwer verletzt. Einer dieser Verletzen, Ibrahim Akkuş, starb am 10. Januar diesen Jahres an den Spätfolgen. Das heißt 10 Menschen haben durch dieses Verbrechen ihr Leben verloren.
Doch diese Morde sind kein Einzelfall. Von 1990 bis 2022 wurden über 310 Menschen in Deutschland aus klar rassistischen Motiven ermordet. Die Dunkelziffer wird hier leider deutlich höher sein. All diese Morde sind nicht nur ein Zeichen einer zutiefst menschenverachtenden Gesellschaft, in der rassistische Hetze Alltag ist und Morde eine Regelmäßigkeit sind, der Staat selbst trägt oft eine Mittäterschaft. So auch in Hanau. Der Täter mit seinem faschistischen Weltbild war der Polizei bekannt. Trotzdem durfte er legal Waffen besitzen. Der Notruf in der Anschlagsnacht blieb unbeantwortet. In einem der Tatorte war der Notausgang, auf Ansage der Polizei, verschlossen. Die zuständige SEK-Einheit am Abend des Anschlags stellte sich im Nachhinein als stramme Nazi-Gruppe heraus und musste aufgelöst werden. Die Überlebenden und Angehörigen erlebten nach dem Anschlag von Polizei- und Staatsseite noch mehr rassistische Schikane, anstatt einer ernsthaften Aufarbeitung.
Da die Angehörigen so schikaniert und alleine gelassen wurden, haben sie sich selbst zusammengeschlossen. Gemeinsam konnten trauern, gedenken, sich stärken und arbeiten dran, den Anschlag aufzuarbeiten.
Wir wollen am Jahrestag um die Ermordeten trauern, ihn aber auch zum Anlass nehmen, die Verhältnisse und diesen Staat, im dem das alles „normal“ ist, anzuklagen. Haunau zeigt uns, dieser Staat nicht wirklich alle Menschen schützt, die unter ihm leben. Wenn wir dran etwas ändern wollen, müssen wir uns zusammenschließen, wie es die Angehörigen in Hanau tun.